Leonhard Warburg

Am Wall 1 -  verlegt am 09.10.2012

Leonhard Wahrburg wurde am 31.08.1860 in Königsberg i.d. Neumark geboren. Seine Eltern waren Clothilde, geb. Wolf und David Wahrburg. Sie waren jüdischen Ursprungs, aber schon zum christlichen Glauben konvertiert.

 

Leonhard Wahrburg wuchs als Protestant auf. Er studierte Jura, trat als Student in eine Burschenschaft ein und erhielt 1892 das preußische Patent zum Gerichtsassessor. Im Oktober 1893 ließ er sich als Rechtsanwalt in Lemgo nieder. Ab 1894 hatte Leonhard Wahrburg seine Kanzlei und seine Wohnung im Hause Tintelnot, Mittelstraße 143. Am 07.11.1896 heirateten Martha Tintelnot und Leonhard Wahrburg. 1913 wurde die Villa am Johanniswall fertig und bezogen. Da die Ehe kinderlos blieb, spielten die Nichten und Neffen der Familie Tintelnot eine große Rolle im Leben des Ehepaares Wahrburg.

Am so genannten Boykott-Tag, dem 1. April 1933 standen SA-Wachen vor Wahrburgs Kanzlei. Die Fenster der Villa wurden eingeworfen. Dem mit Gesetz vom 7.4.1933 drohenden Berufsverbot für „jüdische Anwälte“ kam Wahrburg bereits am ersten April zuvor und beantragte die Löschung seiner Zulassung beim Landgericht Detmold. Knapp drei Wochen später, am 18.11.1933, nahm Leonhard Wahrburg sich das Leben. Was zu seinem Freitod zu diesem Zeitpunkt geführt hat, muss ungeklärt bleiben. Sicher ist, dass die antisemitische Hetzpresse täglich von „Maßnahmen“ gegen jüdische Juristen berichtete. Gewiss haben er und seine Familie darunter gelitten. Anzunehmen ist auch, dass er um die Ausweglosigkeit wusste, über seine Kanzlei und seine Arbeit jemals wieder seine gesellschaftliche Stellung und sein Ansehen zu erlangen. Als offizielle Todesursache gab die Familie Herzversagen an. Die Predigt stand unter dem Bibelwort: „Die Liebe höret nimmer auf“. Martha Tintelnot starb 1953. Sie lebte bis zu ihrem Tod in der Villa am Johanniswall. Am 9.10.2012 wurde für Leonhard Wahrburg vor der Villa auf dem Wall ein Stolperstein verlegt. Auch Leonhard Wahrburg ist ein Opfer des nationalsozialistischen Terrors.

 

Hanne Pohlmann und Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn

 

 

Zudem finden sie unter dem folgenden Link weitere Informationen zu Leonhard Wahrburg:

 

http://www.drs-brauel.de/die-villa-des-justizrates-leonhard-wahrburg/